Eigentlich wollte ich euch Wilhelmine schon längst richtig vorstellen.
Immerhin steht unser neues Wohnmobil nun schon eine ganze Weile bei uns, hat die ersten Reisen hinter sich und inzwischen auch bewiesen, dass ein Wohnmobil niemals einfach nur irgendwo herumstehen kann, ohne dass irgendetwas daran gemacht werden muss.
Aber fangen wir von vorne an.
Vom Expeditionsmobil zum klassischen Wohnmobil
Nach zweieinhalb Jahren mit Charly, unserem Iveco 110-17, ist Wilhelmine schon eine ziemliche Umstellung.
Plötzlich fahren wir kein cooles 8-Tonnen-Gefährt mehr durch die Gegend, sondern einen Weinsberg auf Fiat Ducato. Rund 7,50 Meter lang, 3,20 Meter hoch und mit allem ausgestattet, was man sich unter einem klassischen Wohnmobil eben so vorstellt.
Wobei „ausgestattet“ nach dem Kauf zunächst einmal bedeutete: ausräumen. Der Vorbesitzer hatte uns nämlich einiges dagelassen. Leere Getränkedosen, Kleiderbügel, einen alten Grill und jede Menge Kleinkram, bei dem wir uns teilweise ernsthaft gefragt haben, ob er ihn vermisst oder einfach froh war, dass wir ihn jetzt besitzen (und entsorgen).
Also wurde erst einmal ausgeräumt, geputzt und neu sortiert.
Danach folgten die ersten Veränderungen und Anpassungen an unsere Wünsche. Unter anderem bekam Wilhelmine eine Trockentrenntoilette (das Chemieklo also raus) und Rico begann, sich mit der Elektrik zu beschäftigen. Denn natürlich können wir kein Wohnmobil kaufen und es anschließend einfach so lassen, wie es ist. 🙈 Das wäre ja langweilig.
Die erste richtige Tour: Masuren
Die erste längere Testfahrt übernahmen dann Rico und Lucy. Die beiden fuhren Anfang September mit Wilhelmine nach Masuren und konnten dort zum ersten Mal ausprobieren, wie gut das neue Wohnmobil tatsächlich zu uns passt. Und während die beiden an Seen standen, mit dem SUP unterwegs waren und das Wohnmobilleben genossen, blieb ich zu Hause bei unseren Tieren und schrieb an meinem Krimi.
Arbeitsteilung kann schließlich auch bedeuten, dass zwei Urlaub machen und einer Leichen produziert. 😬 (Also zumindest auf dem Laptop.)


Ganz problemlos verlief Wilhelmines erste größere Tour allerdings nicht. Unter anderem machte der Kühlschrank immer wieder Probleme.
Ob der nun konstant funktioniert, müssen wir sehen. Vielleicht sind wir von unserem Elektro Kühlschrank im Charly auch etwas verwöhnt.
In der Wilhelmine handelt es sich um einen gasbetriebenen Absorber-Kühlschrank. Wie dauerreisetauglich das ist, wird noch rausstellen.
Und dann kamen die Geräusche
Seit Rico und Lucy aus den Masuren zurück sind, fällt eigentlich immer irgendetwas an Wilhelmine an.
Naja, eigentlich schon, als die beiden auf dem Weg nach Hause waren.
Ich bekam eine Sprachnachricht, dass sie gerade an einer Tankstelle waren, als es vorn aus Wilhelmine gequalmt und entsprechend verschmort gerochen hatte. Sie würden jetzt erstmal nach einer Werkstatt suchen, teilte mein Mann mir mit.
Nach einer Weile erklärte er mir, dass keine Werkstatt sich bereit erklärt hatte zu helfen und der Qualm weg sei. Und auch sonst alles normal lief. Also suchten sie nicht weiter nach einer Werkstatt sondern machten sich auf direktem Weg nach Hause.
Irgendwann kamen dann aber doch wieder ziemlich merkwürdige Geräusche dazu. Und zwar nicht von der Sorte „Das beobachten wir mal“, sondern eher aus der Kategorie „Das klingt überhaupt nicht gesund“.
Also gings auf zu unserer Werkstatt in unserer Nähe. Dort stellte sich unter anderem heraus, dass im Getriebe ordentlich Öl fehlte. Es wurde aufgefüllt und bei der Gelegenheit unter anderem auch der Luftfilter gewechselt.
Und dort wartete dann noch eine kleine Überraschung.
Oder besser gesagt: zwei.
Im Luftfilter hingen zwei Mäuse. 😵
Keine Sorge, es wurden nicht gerade zwei blinde Passagiere auf der Polen-Reise transportiert. Die beiden waren schon derart vertrocknet, dass sie dort vermutlich seit Jahren lagen. Damit hatten wir zumindest eine ziemlich ungewöhnliche Antwort auf die Frage, wann der Luftfilter wohl zuletzt genauer angesehen worden war.
Einmal Bären gucken auf der Transfăgărășan
Ein bisschen später bekam Wilhelmine dann ihre nächste Tour.
Rico wollte dieses Jahr wenigstens einmal richtig Bären sehen und fuhr dafür auf die Transfăgărășan. Von uns aus ist die berühmte Bergstraße weit genug entfernt, dass sich Hin- und Rückfahrt an einem Tag nicht wirklich lohnen. Also machte er daraus eine kleine Tour mit Übernachtung.
Und Bären gab es tatsächlich. Damit hätte die Geschichte eigentlich wunderbar enden können.
Tat sie aber natürlich nicht.
Auf dem Rückweg rief Rico mich an. Wilhelmine qualmte. Und sie stank.
Zwei Dinge, die man von seinem Wohnmobil unterwegs eher ungern hört.
Am Ende stellte sich heraus: Die Lichtmaschine war kaputt.






Die geheimnisvolle Batterieleuchte
Ein paar Tage später bekam Wilhelmine in der Werkstatt eine neue Lichtmaschine.
Problem behoben?
Natürlich nicht.
Seitdem leuchtet nämlich die Batteriekontrollleuchte. Die Werkstatt wusste irgendwann auch nicht mehr weiter und damit beschäftigt sich Rico seither selbst mit der Fehlersuche. Die Lichtmaschine lädt, aber irgendwo in den Tiefen von Kabeln, Anschlüssen und Elektronik gibt es offenbar noch etwas, das der Meinung ist, uns (oder vielmehr meinen Mann) mit einer roten Lampe beschäftigen zu müssen.
Aktuell lautet die Mission deshalb weniger „Lampe ausmachen“, sondern erst einmal herausfinden, warum sie überhaupt leuchtet.
Bei einem älteren Wohnmobil ist das anscheinend einfach eine etwas speziellere Form der Freizeitgestaltung.
Auf unserem Camperplatz wird es doch noch lebendig
Während der Hauptsaison hatten wir uns zwischendurch schon gefragt, ob sich überhaupt jemand auf unseren kleinen Camperplatz verirren würde. Es passierte nämlich fast nichts.
Aber jetzt, wo die eigentliche Hauptreisezeit vorbei ist, taucht immer mal wieder jemand bei uns im abgelegenen Dorf auf. Darüber freuen wir uns wirklich sehr.
Bisher hatten wir wirklich schöne Begegnungen, interessante Gespräche und tollen Austausch mit Menschen, die auf ganz unterschiedlichen Wegen durch Rumänien unterwegs sind. Solche Begegnungen waren einer der Gründe, warum uns die Idee mit dem kleinen Stellplatz überhaupt gefallen hat.
Und ich schreibe weiter übers Reisen
Auch bei VanlifeMag sind inzwischen wieder neue Artikel von mir erschienen.
Seit meinem letzten Blogbeitrag vom 22. September sind zwei neue Länderartikel dazugekommen – natürlich nicht einfach als trockene Sammlung von Vorschriften und Zahlen, sondern wie immer mit unseren eigenen Erfahrungen von unterwegs:
Mit dem Wohnmobil durch Kroatien
Kroatien haben wir auf zwei sehr unterschiedlichen Reisen erlebt. Vom ziemlich verregneten ersten Eindruck bis zu unserer zweiten Tour, die mein Bild vom Land noch einmal deutlich verändert hat.
Mit dem Wohnmobil durch Ungarn
Auch hier geht es um alles, was für eine Reise mit dem Wohnmobil wichtig ist – ergänzt um unsere persönlichen Erfahrungen aus dem Land.
Und wer sich auch durch meine anderen bisher erschienenen Artikel lesen möchte, findet sie gesammelt auf meinem Autorenprofil bei VanlifeMag.
Was als Nächstes kommt?
Wilhelmine wird uns wohl noch ein bisschen beschäftigen.
Auf Ricos Liste stehen neben der ominösen Batterieleuchte ohnehin noch einige Dinge, die vor unserer nächsten längeren Reise erledigt werden sollen. Und wenn die vergangenen Wochen irgendein Hinweis darauf sind, wird Wilhelmine vermutlich selbst dafür sorgen, dass diese Liste nicht zu kurz wird.
Aber genau dafür haben wir sie gekauft, naja. Zumindest nicht zum dumm Herumstehen, sondern damit wir irgendwann wieder losfahren können.
Bis dahin wird geschraubt, geschrieben, ausprobiert – und gelegentlich werden eben auch längst verstorbene Mäuse aus Luftfiltern geborgen.
Und dann wäre da noch mein Buch
Und als wäre rund um Wilhelmine, unseren Camperplatz und meine Artikel nicht schon genug los, gibt es da natürlich noch ein anderes ziemlich großes Thema:
Mein Buch ist inzwischen tatsächlich veröffentlicht, wie ich euch schon berichtet habe.
„Wo die Straße endet – Ein Rumänienkrimi“ kann bestellt werden – und einige liebe Menschen haben sich bereits bei mir gemeldet und erzählt, dass sie es bestellt haben.
Dafür möchte ich einfach mal Danke sagen. ☺️💚
Es ist irgendwie ein echt merkwürdiges und gleichzeitig schönes Gefühl zu wissen, dass die Geschichte, die so lange nur auf meinem Laptop existiert hat, jetzt tatsächlich bei anderen Menschen im Bücherregal liegt.
Ich hoffe sehr, dass ihr Spaß beim Lesen habt und dabei vielleicht auch ein kleines Stück Rumänien kennenlernt. Und diejenigen von euch, die uns schon hier besucht haben, werden vermutlich an der einen oder anderen Stelle etwas wiedererkennen. Nicht unbedingt die Leichen. Die sind erfunden. 😅 Aber Landschaften, Orte, Stimmungen und so manche kleine Beobachtung haben durchaus ihren Ursprung in unserem Leben hier.
Nach dem Schreiben ist vor dem Marketing
Man könnte meinen: Das Buch ist veröffentlicht, damit ist die Arbeit erledigt.
Ha.
Im Moment beschäftige ich mich nämlich ziemlich intensiv mit allem, was nach dem eigentlichen Schreiben kommt. Und ich stelle erneut fest: Eine Geschichte in den Laptop zu tippen, war nur ein Teil des Ganzen.
Morgen habe ich zum Beispiel ein Interview mit einem deutschsprachigen Radiosender hier in Rumänien.
Außerdem steht bereits ein Termin für ein Gespräch mit einem Podcast für Reisefamilien fest und auch die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien möchte einen Artikel über uns und mein Buch schreiben.
Sogar mit Nicolas Kreutter hatte ich bereits ein Vorgespräch. Er betreibt einen der bekanntesten deutschsprachigen Podcasts rund ums Auswandern und fand unsere Geschichte grundsätzlich spannend. Am Ende hat es für seinen Podcast allerdings doch nicht ganz gepasst. Sein Schwerpunkt liegt auf Menschen, die tatsächlich ausgewandert sind und dauerhaft an einem neuen Ort leben. Und wir sind – aktuell trotz Haus in Rumänien – immer noch zu sehr Reisefamilie. 😅
Aber auch das war eine spannende Erfahrung.
Und überhaupt merke ich gerade, dass mit der Veröffentlichung keineswegs plötzlich Ruhe eingekehrt ist. Statt Kapitel zu überarbeiten, recherchiere ich jetzt Marketingmöglichkeiten, führe Gespräche, schreibe Mails und überlege, wie ich mein Buch überhaupt zu den Menschen bekomme, die daran Freude haben könnten.
Buch schreiben ist eben eine Sache.
Ein Buch veröffentlichen und anschließend dafür sorgen, dass irgendjemand davon erfährt, noch einmal eine ganz andere. 😅


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