Plötzlich kommen sie alle nach Rumänien – von Freunden, Familie und Campern auf unserem Hof
Als wir im Mai 2025 in unser Haus in Rumänien einzogen, hatten wir vieles im Kopf. Möbel, Tiere, Garten, Wasser, Strom, Behördendinge und die Frage, wie schnell sich ein fremdes Haus irgendwann nach Zuhause anfühlen würde. Womit wir nicht unbedingt gerechnet hatten: dass unser neues Zuhause ziemlich schnell auch für andere Menschen zu einem Reiseziel werden würde. Schon zwei Wochen nach unserem Einzug stand der erste Besuch vor der Tür.
Inzwischen waren Freunde, Familie und sogar völlig fremde Camper bei uns. Manche blieben nur eine Nacht, andere mehr als eine Woche. Einige kamen hauptsächlich wegen uns, andere waren ohnehin in Rumänien unterwegs und nutzten unseren Hof als Zwischenstopp. Und fast alle hatten vorher etwas gemeinsam: Ohne uns wären sie vermutlich nicht unbedingt auf die Idee gekommen, ihren Urlaub in Rumänien zu verbringen.
„Rumänien? Was wollt ihr denn da?“
Diese Reaktion haben erstaunlich viele unserer Besucher gehört, wenn sie Freunden oder Bekannten erzählten, wohin ihre nächste Reise gehen sollte. „Rumänien? Was wollt ihr denn dort?“ Gern noch ergänzt um ein skeptisches: „Da gibt es doch nichts.“ Nun gut. Genau das durften unsere Besucher dann selbst überprüfen. Denn seit wir hier leben, stellen wir immer wieder fest, wie stark die Vorstellungen von Rumänien und die Wirklichkeit auseinanderliegen. Und es macht uns tatsächlich Spaß, Menschen ein Land zu zeigen, das wir inzwischen unsere Heimat nennen. Dabei geht es gar nicht darum, Rumänien als das tollste Land der Welt zu verkaufen. Auch hier funktioniert nicht alles wunderbar, manches ist umständlich und manches schlicht anders, als man es aus Deutschland kennt. Aber es gibt eben sehr viel mehr zu entdecken als das, was viele Menschen im Kopf haben, wenn sie „Rumänien“ hören.
Unser erster Besuch brachte Bruteier mit
Die ersten, die den Weg zu uns fanden, waren unsere ehemaligen Nachbarn und Freunde Holger und Heike. Gerade einmal zwei Wochen wohnten wir damals hier. Sie kamen mit Büchern, Bruteiern und, wie ich damals schon im Blog schrieb, einem kleinen Hauch „alte Heimat“ im Gepäck. Fünf Tage blieben sie ungefähr und übernachteten in einer Ferienwohnung im Nachbardorf. Natürlich wollten wir ihnen möglichst viel zeigen. Wir fuhren zum Schloss Corvin, das mit seinen Türmen, Brücken und Mauern nicht ohne Grund in beinahe jedem Transsilvanien-Reiseführer auftaucht.

Wir besuchten die Markthalle in Deva, fuhren ins Retezat-Gebirge zu einem Wasserfall und machten einen Ausflug nach Sibiu. Die Stadt gehört für uns zu den schönsten in der Region: eine hübsche Altstadt, viel Geschichte, bunte Häuser und diese ganz eigene Mischung aus touristisch und trotzdem angenehm entspannt. Zwischendurch gingen wir essen und versuchten, Holger und Heike für die rumänische Küche zu begeistern. Was mir von ihrem Besuch aber besonders im Gedächtnis geblieben ist, war ihre Überraschung über ganz alltägliche Dinge.
Zum Beispiel über einen Baumarkt. Während man bei einer Rumänienreise vermutlich mit Burgen, Bergen oder alten Dörfern rechnet, gehört die Begeisterung über das Sortiment eines Baumarktes eher selten zur klassischen Reiseplanung. Holger und Heike standen jedenfalls zwischen den Regalen und staunten darüber, wie groß die Auswahl war und wie viele Dinge es hier problemlos zu kaufen gab.
Solche Momente finde ich fast spannender als die klassischen Sehenswürdigkeiten. Sie zeigen, welche Vorstellungen man von einem Land im Kopf hat, bevor man selbst dort gewesen ist.
Manche Menschen treffen wir immer wieder irgendwo in Europa
Im August 2025 kamen Tino und Grit. Mit den beiden verbindet uns inzwischen eine kleine Reisegeschichte innerhalb unserer großen Reisegeschichte. Wir hatten sie während unserer Langzeitreise immer wieder irgendwo in Europa getroffen. 2023 kamen sie recht spontan mit ihrem Camper nach Lettland und wir zeigten einige Tage unsere Art zu reisen. Das darauffolgende Silvester verbrachten wir gemeinsam in Italien und auch Anfang 2025 trafen wir uns dort wieder. Dass ausgerechnet diese beiden Menschen uns während unserer Reise am häufigsten begegnen würden, hätte vorher vermutlich niemand erwartet.
Im August standen sie dann mit ihrem Camper bei uns auf dem Hof. Etwas mehr als eine Woche blieben sie und auch diesmal war es einfach schön, Zeit miteinander zu verbringen, neue Geschichten über ihre Jurte, ihr Bauprojekt und ihre Enkel zu hören und nicht permanent irgendein Programm haben zu müssen. Natürlich machten wir trotzdem einige Ausflüge. Wir fuhren in die Berge, über die Transapuseana und nach Sibiu. Außerdem besuchten wir einen Markt, auf dem alte rumänische Gemüsearten präsentiert wurden und man kostenlos Saatgut mitnehmen konnte. Für Rico und Grit als begeisterte Gärtner war das natürlich ungefähr das Äquivalent zu einem Süßigkeitenladen für Kinder.
Aber wir verbrachten auch viele Stunden einfach zu Hause. Wir saßen auf dem Hof, redeten, beobachteten unsere Geflügelbande und ließen die Tage laufen. Tino begann irgendwann sogar, morgens die Tiere zu füttern. Was vermutlich der Moment ist, an dem aus Besuch langsam Inventar wird. Und genau diese Mischung gefällt uns besonders: gemeinsam etwas unternehmen, aber nicht permanent das Gefühl haben, jemanden bespaßen zu müssen.
2026 wurde es deutlich voller
Für dieses Jahr hatten sich mehrere Besucher angekündigt. Wir waren gespannt, wer davon tatsächlich irgendwann in unserer Einfahrt stehen würde.
Den Anfang machte Falko, ein langjähriger Freund aus unserer alten Heimat. Wenige Tage vor Ricos Geburtstag rief er an und erklärte ziemlich beiläufig: „Du, ich komme nächste Woche mal zu euch.“ Damit war die Sache offenbar beschlossen. Kurz vorher erzählte er einem Freund von seinem Plan. Der wiederum war sofort begeistert, weil er Rumänien ebenfalls schon immer einmal sehen wollte. Also kam er einfach mit. Zumindest war das der Plan. Die beiden wollten eigentlich einen Mietwagen nehmen, weil ihre eigenen Fahrzeuge groß sind und entsprechend viel Kraftstoff verbrauchen. Die Autovermietung machte ihnen allerdings einen Strich durch die Rechnung: Fahrten nach Rumänien waren mit dem Mietwagen nicht erlaubt.
Also wurde kurzerhand doch der große Pickup genommen.
Ganz neu war Rumänien für Falko übrigens nicht. Wir hatten ihn schon einmal während unserer Reise hier getroffen. 2024 war er mit einem anderen Freund auf Motorradtour durch Rumänien unterwegs, und wir trafen uns damals in Bran auf Bier und Abendessen. Dass wir uns einige Jahre später nicht mehr irgendwo unterwegs, sondern bei uns zu Hause in Rumänien wiedersehen würden, war damals natürlich noch nicht abzusehen.
Diesmal wohnten Falko und sein Begleiter in einer Pension im Nachbarort. Wir zeigten ihnen Schloss Corvin, Alba Iulia und Sibiu. Alba Iulia ist vor allem für seine riesige sternförmige Festungsanlage bekannt, in deren Innerem man zwischen alten Mauern, Kirchen und historischen Gebäuden spazieren kann. Die weitläufige Anlage wirkt fast wie eine kleine Stadt in der Stadt und lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden.
Vor allem Alba Iulia war für uns selbst noch relativ neu. Genau das ist nämlich eine nette Nebenwirkung unserer Besucher: Sie bringen uns regelmäßig dazu, Dinge zu unternehmen, die wir schon längst einmal machen wollten.
Besuch ist manchmal der beste Ausflugsgrund
Das gilt nicht nur für Alba Iulia. Auch die Transapuseana sind wir zum ersten Mal mit Besuch gefahren. Im normalen Alltag machen wir solche großen Tagesausflüge deutlich seltener. Es gibt hier schließlich immer etwas zu tun. Tiere wollen versorgt werden, im Garten wartet Arbeit und irgendein Projekt findet sich sowieso. Wenn Besuch kommt, verschiebt sich dieser Alltag ein wenig. Dann fahren wir plötzlich mehrere Tage hintereinander durch die Gegend, besuchen Städte, Berge oder Märkte und tun Dinge, die für andere Urlaub sind, für uns aber inzwischen direkt vor der Haustür liegen. Unsere Besucher bringen uns immer wieder dazu, die eigene Umgebung mit etwas anderen Augen zu sehen. Orte, die schon seit Monaten auf unserer „Da müssen wir irgendwann mal hin“-Liste stehen, werden plötzlich tatsächlich besucht. Ohne Holger, Heike, Falko, Anke und die anderen hätten wir manches vermutlich noch immer vor uns hergeschoben.
So zeigen wir unseren Gästen Rumänien und entdecken dabei selbst immer wieder ein Stück davon.
Unsere erste Test-Camperin
Kurz nach Falko kamen Ricos Schwester Anke und ihr Bekannter Jens mit dem Camper. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir einen separat eingezäunten Bereich unseres Grundstücks bereits teilweise mit Schotter befestigt und als möglichen Camperstellplatz hergerichtet. Anke durfte gleich den Test machen. Ihr Urteil fiel positiv aus.

Nur Jens stellte fest, dass ihm der Camper als Schlafplatz etwas zu eng war. Ein Gästezimmer besitzen wir nicht. Genau genommen haben wir nicht einmal besonders viele Zimmer.
Also begann die Suche nach einer kreativen Lösung. Meine zunächst eher spaßig gemeinte Idee war, dass Jens auf meiner Sonnenliege schlafen könnte. Er fand die Idee gut. Nun fehlte nur noch der Standort. Die Scheune schied aus. Wenn es regnet, tropft es an einigen Stellen durch, und besonders gemütlich ist es dort nachts auch nicht.
Am Ende stand die Gartenliege in unserer Küche. Und dort schlief Jens. Es war absurd, aber es funktionierte.
Wenn man bei uns übernachtet, darf man offensichtlich keine klassischen Hotelstandards erwarten. Dafür bemühen wir uns durchaus, Lösungen zu finden. 😜
Auch mit Anke und Jens waren wir in Schloss Corvin, Alba Iulia und Sibiu. Wir wanderten ins Nachbardorf, fuhren die Transalpina und machten abends Lagerfeuer. Rico und Anke wollten außerdem einmal gemeinsam ihrem Hobby nachgehen und fuhren zu offiziellen Angelteichen. Der Erfolg war, freundlich ausgedrückt, überschaubar.

Manche Besucher brauchen gar kein großes Programm
Zwei Wochen später kamen Lucas, seine Freundin Paula und Hündin Lola. Die beiden arbeiten als Polizisten und hatten durch ihren Berufsalltag bislang nicht unbedingt die allerbesten Eindrücke von Rumänen gesammelt. Wir hatten also ein klein wenig missionarische Arbeit vor uns. Aber eigentlich wollten Lucas und Paula vor allem eines: schlafen, abschalten und sich von ihren Schichtdiensten erholen. Und genau das scheint bei uns ziemlich gut zu funktionieren.
Dieses Fazit zieht sich inzwischen nämlich durch fast alle Besuche. Viele schlafen hier ungewöhnlich gut. Morgens sitzt man mit einem Kaffee draußen, schaut auf die bewaldeten Berge und irgendwann verliert der Alltag, den man von zu Hause mitgebracht hat, ein wenig an Lautstärke.
Natürlich machten wir trotzdem Ausflüge. Wir fuhren nach Sibiu und über die Transapuseana, wanderten ins Nachbardorf und Lucas, Paula und Lucy verbrachten einen kompletten Tag in einer Freizeitanlage mit Schwimmbad und Kletterpark. Sie kamen spätabends völlig erledigt zurück, waren aber glücklich.

Das vielleicht ungewöhnlichste Highlight in Sibiu war allerdings der Besuch bei Jumbo. Wer Jumbo nicht kennt: Das ist ein riesiger Laden, in dem es ungefähr alles gibt, was man eigentlich nicht braucht, aber spätestens fünf Minuten nach Betreten des Geschäfts trotzdem unbedingt besitzen möchte. Ein bisschen wie Temu, nur dass man selbst durch die Regale laufen muss. Paula und Lucy hatten jedenfalls großen Spaß.
Auch Lucas hatte uns während unserer Reise schon mehrfach besucht. Im Sommer 2023 kam er zu uns nach Helsinki, und im April 2024 trafen wir uns in Österreich wieder. Dort nutzten Rico, Lucy und Lucas die Gelegenheit zum Ski- und Snowboardfahren – ein Programmpunkt, bei dem ich mich sehr gern rausgehalten habe. Wintersport ist einfach nicht meine Welt. 😄
Drei Jahre ohne meine beste Freundin
Ende Juli kam schließlich Susi mit ihrer Familie. Auf diesen Besuch hatte ich mich besonders gefreut. Wir hatten uns fast drei Jahre nicht gesehen.
Gleichzeitig war lange überhaupt nicht klar, ob der Besuch zustande kommen würde. Die Strecke bis zu uns ist weit und gerade mit Familie muss man sich gut überlegen, wie man sie bewältigt. Wir hatten monatelang verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Ein Mietcamper wäre praktisch gewesen, aber teuer. Außerdem hatten Susi und ihre Familie im Jahr zuvor nicht gerade die beste Erfahrung mit einem gemieteten Camper gemacht und waren vom Thema Camping zunächst ausreichend kuriert.
Fliegen wäre vergleichsweise günstig gewesen. Dann hätten sie allerdings eine Ferienwohnung gebraucht, vermutlich zusätzlich einen Mietwagen und wären bei An- und Abreise deutlich weniger flexibel gewesen.
Lange stand der Besuch deshalb in den Sternen.
Dann entschieden wir uns im Juli selbst wieder dafür, einen Camper zu kaufen. Damit hatten wir plötzlich zusätzliche Schlafplätze direkt auf dem Hof. Zuerst nutzten Lucas und Paula sie, danach Susi, Thomas und die Kinder.
Und damit war das größte organisatorische Problem gelöst. Sie konnten mit dem eigenen Auto anreisen, unterwegs so viele Zwischenstopps machen, wie nötig waren, und auch bei der Rückreise flexibel bleiben.
Das Beste an diesem Besuch war aber vielleicht gerade, dass wir kaum Programm hatten. Susi und Thomas kamen in erster Linie wegen uns. Rumänien spielte eher die Nebenrolle. Wir mussten also nicht das Gefühl haben, jeden Tag irgendwohin fahren und möglichst viele Sehenswürdigkeiten zeigen zu müssen. Stattdessen verbrachten wir viel Zeit zu Hause. Wir kochten gemeinsam, redeten stundenlang, spielten Spiele, tranken abends selbstgebrautes Bier, rumänisches Bier oder Wein und zeigten ihnen unseren normalen Alltag mit Tieren, Garten und Käsemachen. Thomas war von meinem Käse so begeistert, dass Susi inzwischen ebenfalls überlegt, sich daran zu versuchen.
Und Susi brachte mir ein Geschenk mit, über das ich mich besonders gefreut habe: ein Weinglas mit einem wunderschönen Aufdruck. Sie besitzt genau das gleiche. Freundinnen-Gläser. Immer wenn ich jetzt daraus trinke, denke ich an sie. So ein kleines Geschenk kann plötzlich ganz schön viel bedeuten.

Und dann kamen plötzlich völlig fremde Menschen
Neben Freunden und Familie gibt es inzwischen noch eine andere Sorte Besuch bei uns: Camper.
Im Juni haben wir unseren Stellplatz bei Park4Night eingetragen. Die Idee dahinter war ziemlich simpel: Wir haben Platz und wir freuen uns über Reisende.
Während unserer Langzeitreise haben wir selbst so viele Menschen kennengelernt, Geschichten gehört und Reiseerfahrungen ausgetauscht. Jetzt sind wir nicht mehr diejenigen, die durch Europa fahren. Dafür kommen die Reisenden zu uns. Ganz neu war das allerdings nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Familie einige Tage mit ihrem Camper bei uns gestanden, obwohl unser Platz damals noch gar nicht offiziell existierte. Angela und Toni folgten uns schon länger auf Instagram und hatten uns bereits während unserer Reise angeschrieben. Eigentlich wollten wir uns einmal in Spanien treffen, doch zu dieser Zeit war bei uns die Luft aus der Reise langsam raus und wir wollten nur noch „nach Hause“.
Im Sommer 2025 waren sie dann in Rumänien unterwegs und kamen bei uns vorbei. Sie blieben einige Tage mit ihren beiden kleinen Kindern. Tagsüber machten sie Ausflüge in die Umgebung. Damit sie nicht ständig den Camper komplett einräumen mussten, liehen wir ihnen unser Auto. Abends saßen wir zusammen, tranken Bier und Wein und tauschten Reisegeschichten aus.
Ein Dachzelt und die Erkenntnis, dass nicht jeder Kontakt passen muss
Unsere ersten Gäste über Park4Night war ein Paar aus Österreich. Sie kamen allerdings nicht mit einem klassischen Wohnmobil oder Van, sondern mit einem Pkw und Dachzelt.
In unserer Beschreibung steht eigentlich, dass unser Platz für autarke Fahrzeuge gedacht ist. Strom und Wasser können wir zwar zur Verfügung stellen, aber ohne eigene Toilette wird es natürlich etwas schwieriger. Also durften die beiden unser Außenklo und unsere Dusche nutzen. Sie blieben eine Nacht. Viel Kontakt hatten wir nicht.
Nach ihrer Ankunft schwangen sie sich auf ihre Fahrräder und waren den ganzen Tag unterwegs. Abends kamen sie zurück, duschten und machten ihr eigenes Ding. Am nächsten Morgen gaben wir ihnen noch einige Tipps für ihre Weiterreise.
Und das ist genauso in Ordnung. Nicht jeder Stellplatzgast muss automatisch zum neuen besten Freund werden. Manchmal passt es einfach nicht besonders gut zusammen, ohne dass irgendjemand daran schuld sein muss.
Einparken, Hornissen und völliges Chaos
Bei unseren nächsten Campern sah das schon ganz anders aus. Auch Maria und Ludwig fanden uns vor wenigen Tagen über Park4Night. Relativ spät am Abend bekam ich eine WhatsApp mit der Frage, ob unser Platz frei sei und sie ungefähr eine Stunde später kommen könnten. Ich gebe zu: Meine Begeisterung hielt sich in diesem Moment zunächst in Grenzen.
Rico und ich hatten selbst einen Ausflug hinter uns, ich war müde und gedanklich eigentlich schon beinahe im Bett. Mein Mann erinnerte mich allerdings völlig zu Recht daran, dass wir uns genau solche Gäste gewünscht hatten.
Also sagte ich zu. Kurz nach zehn kamen die beiden an. Das Einparken im Dunkeln durch unsere enge Einfahrt war bereits das erste kleine Abenteuer, aber irgendwann stand der Camper. Dann ließen sie ihren Kater aus dem Fahrzeug. Und plötzlich meinte Rico, dass irgendwelche großen Insekten herumfliegen würden. Im Licht der Taschenlampen erkannten wir sie: Hornissen.
Offenbar hatten wir irgendwo ein Nest oder eine Gruppe aufgeschreckt, und die Tiere fanden die nächtliche Unruhe auf unserem Hof überhaupt nicht lustig.
Innerhalb weniger Sekunden herrschte Chaos.
Maria rief, dass sie allergisch sei und versuchte, sich ins Fahrzeug zu retten.
Dann wurde sie gestochen.
Sie rief Ludwig zu, dass er ihre Medikamente suchen sollte. Gleichzeitig wollte Ludwig den Kater wieder ins Auto bringen, damit der nicht ebenfalls gestochen wurde.
Währenddessen jaulte Orle plötzlich wie verrückt. Ich hatte keine Ahnung, warum.
Es war dunkel, überall flogen Hornissen herum, Maria brauchte ihre Medikamente, Ludwig suchte danach und versuchte gleichzeitig den Kater einzufangen und unsere Hündin veranstaltete ein Drama.
Also rannte ich zu Orle. Zum Glück war sie nicht gestochen worden. Sie hatte lediglich im Dunkeln den Zaun zwischen unserem Hof und dem Camperbereich übersehen und war mit voller Geschwindigkeit hineingerannt. So heftig, dass sie gleich einen Holzpfosten aus dem Boden gerissen hatte.
Irgendwann war Maria versorgt, der Kater wieder sicher, Orle überprüft und der Hof wurde langsam ruhiger.
Wir wechselten noch ein paar Worte mit Ludwig, bevor er in den Camper ging, um Maria im Blick zu behalten. Rico und ich saßen an dem Abend noch sehr lange draußen, weil wir aufgrund der ganzen Geschehnisse nun gar nicht mehr müde waren.
Am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder völlig anders aus. Ludwig kam mit dem Kater an der Leine zu uns, wir tranken gemeinsam Kaffee und begannen zu erzählen. Später kam auch Maria dazu. Zum Glück hatte sie die Nacht problemlos überstanden. Aus einem kurzen Morgenkaffee wurde schließlich ein kompletter Vormittag. Wir tauschten Reisegeschichten aus, gaben ihnen Tipps für Rumänien, zeigten unseren Hof und unseren eigenen Camper und erzählten vom Leben hier. Als sie weiterfuhren, bekamen sie frisches Gemüse, Eier und selbstgebrautes Bier mit.
Genau solche Begegnungen sind der Grund, warum wir unseren Stellplatz überhaupt anbieten.
Von einer chaotischen Hornissennacht bis zum gemeinsamen Kaffee am nächsten Morgen können offenbar nur wenige Stunden liegen.
Bei uns gibt es keinen Campingplatz
Unser Stellplatz ist kein Campingplatz. Es gibt keine Rezeption, keine Parzellen mit Nummern und garantiert kein Animationsprogramm. Wir sind auch kein Platz, an dem man zwangsläufig eine Woche Urlaub verbringt. In der unmittelbaren Umgebung gibt es dafür gar nicht genug klassische Sehenswürdigkeiten.
Für viele Reisende werden wir eher ein Zwischenstopp sein. Eine Nacht auf dem Weg durch Rumänien, vielleicht zwei. Und das finden wir vollkommen in Ordnung.
Wir können Strom und Wasser zur Verfügung stellen, wenn es nötig ist. Es gibt unser Außenklo und bei Bedarf auch eine Dusche.
Was darüber hinaus passiert, ergibt sich.
Manche Gäste möchten einfach ihre Ruhe haben. Andere sitzen vielleicht abends mit uns bei einem Bier zusammen. Wenn die Chemie stimmt, kann daraus auch ein gemeinsames Essen, ein Grillabend oder ein Lagerfeuer werden.
Wir möchten daraus keine Pflichtveranstaltung machen.
Denn wir kennen es selbst vom Reisen: Manchmal freut man sich über Gesellschaft und manchmal möchte man einfach nur irgendwo ankommen, essen, duschen und schlafen.
Wenn Besuch da ist, sieht auch unser Leben plötzlich anders aus
Private Besucher sind noch einmal etwas anderes. Wer wegen uns mehrere Tage oder sogar eine Woche kommt, möchte natürlich Zeit mit uns verbringen. Und wir möchten das genauso. Dann verändert sich unser Alltag ziemlich deutlich. Wir unternehmen viel mehr als sonst. Wir fahren nach Sibiu, in die Berge, zu Schlössern, auf Märkte oder über Straßen, die wir uns selbst schon seit Monaten einmal anschauen wollten. Dadurch entdecken wir unsere eigene Umgebung immer wieder neu.
Trotzdem läuft hier zu Hause natürlich alles weiter. Die Tiere interessieren sich nicht dafür, dass Besuch da ist oder dass wir gern noch einen Kaffee in Sibiu trinken würden. Sie möchten gefüttert werden. Deshalb bleibt bei längeren Ausflügen häufig einer von uns zu Hause oder wir müssen unsere Tage entsprechend organisieren.
Nach mehreren Tagen Programm merkt man dann durchaus, dass Urlaub für Besucher etwas anderes ist als Urlaub für Gastgeber. Und irgendwann freuen wir uns wieder auf unseren Alltag. Auf Tage ohne Programm. Auf Tiere füttern, im Garten arbeiten, Kaffee trinken und einfach zu Hause sein.
Das Schöne daran ist: Beides darf gleichzeitig wahr sein.
Wir können uns sehr über Besuch freuen und trotzdem danach gern wieder ein paar ruhige Tage haben.
Unser einfaches Leben scheint erstaunlich erholsam zu sein
Ich frage mich manchmal, wie unser heutiges Leben eigentlich auf Menschen wirkt, die uns noch aus Deutschland kennen. Damals lebten wir in einem Haus mit Garten, jeder hatte sein eigenes Zimmer, Wasser kam zuverlässig aus der Leitung und Strom war nichts, worüber man besonders nachdenken musste.
Heute sieht das etwas anders aus. Im Sommer müssen wir mit Wasser gelegentlich sparsam umgehen, weil es eben auch einmal knapp werden kann. Bei Unwettern fällt schon mal der Strom aus. Wir duschen gern draußen und benutzen unser Außenklo.
Unser Haus ist klein. Das Wohnzimmer ist gleichzeitig unser Schlafzimmer. Nur Lucy hat ein eigenes Zimmer. Für uns fühlt sich das inzwischen vollkommen normal an. Für Besucher vielleicht weniger.
Interessanterweise hören wir trotzdem immer wieder denselben Satz: „Hier kann man so gut abschalten.“
Viele erzählen uns, dass sie bei uns besser geschlafen haben als schon lange nicht mehr. Vielleicht liegt es an der Ruhe. Vielleicht an der Luft. Vielleicht daran, morgens mit einer Tasse Kaffee auf bewaldete Berge zu schauen, während irgendwo Hühner herumkratzen und der nächste Termin plötzlich ziemlich weit weg wirkt. Vielleicht braucht Entschleunigung manchmal gar kein Wellnesshotel.
Manchmal reicht ein Hof in einem rumänischen Dorf.
Wir hätten gern noch mehr Reisende hier
Deshalb freuen wir uns auch, wenn künftig noch mehr Camper unseren Stellplatz finden.

Nicht jeden Tag und vielleicht auch nicht zehn gleichzeitig.
Aber ein Camper pro Woche in der Reisesaison? Warum nicht?
Gerade der Austausch mit anderen Reisenden fehlt uns manchmal. Wir waren selbst mehr als zwei Jahre unterwegs. Wir kennen das Gefühl, irgendwo neu anzukommen, Tipps weiterzugeben, Erfahrungen auszutauschen und von Orten zu erzählen, an denen der andere vielleicht noch nie gewesen ist. Heute stehen wir nicht mehr ständig irgendwo auf fremden Plätzen. Heute sind wir diejenigen, die einen Platz anbieten. Und wenn abends jemand bei uns sitzt und erzählt, woher er kommt, wohin er noch fahren möchte und was er unterwegs erlebt hat, fühlt sich das ein kleines bisschen nach unserer eigenen Reise an. Nur andersherum.

Früher sind wir zu den Geschichten gefahren. Heute kommen einige davon zu uns.

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